11.10.26 bis 29.11.26

Daniel M. E. Schaal – Connexa Textile

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 11. Oktober um 12 Uhr

Foto: Dale Grant

Kunstprojekt Connexa Textile

Das Exerzitienhaus Leitershofen wird in seiner Herbstausstellung vom 11.10.2026 bis 29.11.2026 den Berliner Künstler Daniel M. E. Schaal mit Textilarbeiten, Ölbildern und Drucken zeigen. Ein besonderes Element der Ausstellung wird eine ortsgebundene Textilarbeit sein, die der Künstler über mehrere Monate aus Stoffen anfertigt, die mit dem Exerzitienhaus und den hier ein- und ausgehenden Menschen in Verbindung stehen: Connexa textile.

Daniel Schaal beschäftigt sich in seiner Kunst mit Themen wie Einfachheit, Konsumverhalten, Vergänglichkeit und Scheitern. Er verwendet Alltagsmaterialien wie Karton, Verpackungen und Textilien, die oft als Abfall gelten, und verwandelt sie in abstrakte Werke. Durch diese Transformation erhalten die Materialien neue Bedeutung und Wertigkeit. Zugleich spiegeln seine Arbeiten existenzielle Fragen und die Auseinandersetzung mit Übergängen wider.

Mit diesem Themenfeld eröffnet Schaals Kunst eine eigene Perspektive auf das Jahresthema 2026 des Exerzitienhauses. Ausgehend von der franziskanischen Grußformel pace e bene widmet sich das Jahresprogramm dem Leben und Wirken des heiligen Franz von Assisi, dessen Todestag sich 2026 zum 800. Mal jährt. Franziskus’ Ideal von Einfachheit, selbstgewählter Armut, Schöpfungsverbundenheit und sein gelassener Umgang mit Tod und Vergänglichkeit bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die konzeptuelle Kunst Daniel Schaals.

Eine bekannte Episode aus dem Leben des Franz von Assisi verdeutlicht dies: Als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers entscheidet er sich gegen den Willen seines Vaters für ein Leben in Armut. Vor der Öffentlichkeit seiner Heimatstadt legt er die wertvollen väterlichen Gewänder ab bis er nackt ist. Damit verweigert er nicht nur Status und Besitz, sondern löst auch Hierarchien und Ansprüche auf – ein starkes Bild für die Funktionen von Textilien im Hinblick auf Biografie, Identität, Abgrenzung und Zugehörigkeit. Daniel Schaal arbeitet bewusst mit autobiografischen Stoffen, die er zerschneidet und neu verwebt – und stößt so Fragen beim Betrachter an: nach der eigenen Geschichte, der Lebensweise, der Zugehörigkeit.

Zugehörig und verbunden fühlen sich in unterschiedlichem Maße auch Menschen, die ins Exerzitienhaus kommen. Da sind zum einen die Mitarbeitenden, beispielweise die Reinigungskräfte, die täglich mit den Textilien des Hauses zu tun haben; da sind regelmäßige Gottesdienstbesucherinnen und -besucher sowie Teilnehmende unserer Kurse, die hier oft zum wiederholten Mal Ruhe, Einkehr und Erholung finden. Da sind Fortbildungs- und Tagungsgäste verschiedenster externer Anbieter, die sich von der Atmosphäre des Hauses inspirieren lassen, ebenso wie Postboten, Handwerker, Bürgermeister, Trauergäste, Feiernde oder Kunstinteressierte. Sie alle sollen die Möglichkeit erhalten, an diesem Kunstwerk zu partizipieren und sich über diesen Ort verbinden zu lassen.

Von November 2025 bis Januar 2026 laden wir daher im Rahmen einer öffentlichen Ankündigung des Projekts dazu ein, ein Kleidungsstück für die Textilarbeit abzugeben. Anschließend werden die gesammelten Stoffe an den Künstler übergeben. In einem mehrstufigen Prozess der Zerstörung, Zerkleinerung, Verfremdung und des Neuzusammenfügens wird Daniel Schaal daraus ein Textilkunstwerk weben, das eine undurchschaubare Verbindung repräsentiert. Dieses Werk wird bis zur Ausstellungseröffnung am 11. Oktober 2026 fertiggestellt und als zentrales Objekt im Exerzitienhaus gezeigt.

Am Rand der Stadt Augsburg, deren Geschichte eng mit der Textilindustrie verbunden ist, eröffnet dieses Kunstwerk einen Raum für vielfältige Assoziationen – spiritueller, philosophischer, historischer, gesellschaftlicher und politischer Art.